GRÜNE Wetterau zur aktuellen Antibiotika-Diskussion:
Die zurzeit in Umlauf befindliche Petition des Bundesverbands praktizierender Tierärzte fordert Haustierhalter zur Unterschrift gegen ein EU-Verbot des Einsatzes von bestimmten Antibiotika in der Behandlung von Tieren auf. Die Formulierung dieser Petition ist teilweise irreführend und es sprechen sich auch mittlerweile immer mehr Tierärzte gegen diese Petition ihres Verbandes aus. Michaela Colletti, GRÜNE Bundestagskandidatin im Wetteraukreis, stellt klar: „Das Verbot richtet sich gegen die tonnenweise Verwendung von Antibiotika in der Nutztierhaltung, vor allem der Massentierhaltung, die mittlerweile so angestiegen ist, dass Ärzte fürchten, es könnten bald auch die sogenannten Reserveantibiotika Menschen mit schweren Infektionen, etwa einer Lungenentzündung oder auch einer infizierten Wunde, nicht mehr helfen.“
Jedes Jahr sterben in Europa über 30.000 Menschen Erregern, die resistent gegen Antibiotika sind. Manche der auch in der Massentierhaltung tätigen Tierärzte versuchen jetzt die Haustierhalter auf ihre Seite zu ziehen, denn Massentierhaltung hat in der Bevölkerung wenig Unterstützung – unsere Hunde, Katzen und Kaninchen schon.
„Die medizinische Behandlung von Haus- und Einzeltieren ist mit dem Verbot weder jetzt noch zukünftig gefährdet“, betont Martin Häusling, Mitglied des Europäischen Parlaments und agrarpolitischer Sprecher für die Grünen/EFA. Diese Petition ist manipulativ, denn wie oft bekommt ein Hund zum Beispiel ein Cephalosporin oder Fluorchinolone? Ganz abgesehen davon, dass diese Mittel aufgrund ihrer massiven Nebenwirkungen auch beim Menschen nur im Notfall eingesetzt werden dürfen. Nochmal: Es geht um ein Verbot des Einsatzes von sogenannten Reserveantibiotika in der Massentierhaltung. Diese Mittel sind unsere letzte Bastion gegen die mittlerweile multiresistenten Erreger. Verlieren sie ihre Wirksamkeit, könnte die Menschheit wieder dort stehen, wo sie sich befand, bevor das Penicillin entdeckt wurde: mit einer stark verkürzten allgemeinen Lebenserwartung, bleibenden Schäden nach einfachen Durchfallerkrankungen etc.
Durch den verantwortungslosen und tonnenweisen Einsatz in der Billigfleischproduktion dieser für uns Menschen so wichtigen Medikamente kommt es nun zu immer mehr Resistenzen der Erreger gegen seit Jahren wirksame und erprobte Medikamente. In den Krankenhäusern muss täglich der Einsatz dieser für uns doch kostbaren Mittel am Patienten überwacht werden, damit keine Resistenzen entstehen. Währenddessen werden sie aber tonnenweise auf Puten, Schweine, Hühner gespritzt, damit die Tiere in ihren viel zu engen Ställen nicht krank werden. Hier geht es also um Reserveantibiotika und nicht um die gängigen Antibiosen in der Tierarztpraxis, um beispielsweise einen Hautriss, einen Zeckenbiss oder Ähnliches zu behandeln. Für Weiteres kann der Tierarzt ein Antibiogramm erstellen und dann ein geeignetes Mittel verordnen. Ein Antibiogramm mag ein paar Tage dauern, aber genauso lange dauert es, bis man feststellt, dass das verordnete Mittel nicht greift. Dann wurde bereits ein Medikament eingesetzt, welches keine Wirkung hatte und das Tier unnötig belastete und womöglich einer Resistenz Vorschub geleistet hat.
Leider schreiben in der Landwirtschaft und Fleischproduktion seit Jahren die Lobbyisten die Gesetze und nicht die Vernunft. Es ist durchaus möglich, dass es Mittel geben könnte, die Tiere unter bestimmten Umständen dann nicht mehr bekommen würden. Aber weiter so geht eben auf gar keinen Fall! Wenn man im Krankenhaus erlebt, wie Menschen heutzutage an vermeidbaren Infektionen sterben oder an Gliedmaßen amputiert werden müssen, wo vor einigen Jahren noch ein günstiges Breitbandantibiotikum gute Wirksamkeit hatte, dann wird dies absolut klar.