Gemeinsam wohnen, leben und arbeiten

Bundestagskandidatin Michaela Colletti wird sich für genossenschaftliches Wohnen einsetzen.

Seit über 20 Jahren sind die Gutshöfe des Klosters in Niddatal-Ilbenstadt verwaist. Weil ein außergewöhnliches Wohnprojekt der OEKOGENO eG neues Leben in das historische Ensemble im Zentrum von Ilbenstadt bringen wird, besuchte die Wetterauer Bundestagskandidatin der GRÜNEN Michaela Colletti gemeinsam mit den Niddataler GRÜNEN das Areal.
Der Gutshof des Klosterareals in unmittelbarer Nachbarschaft des Wetterauer Doms liegt innerhalb der Klostermauern inmitten eines fast ein Hektar großen Parks. Die OEKOGENO eG hat einen Teil des Areals vom Land Hessen erworben. Dort entsteht ein genossenschaftlich-inklusives Wohnprojekt mit dem Ziel, den Ort mit einem nachhaltigen, inklusiven Konzept mit Leben zu füllen und zeitgemäß zu nutzen.
„Wir sprechen Familien mit Kindern genauso an wie Seniorinnen und Senioren, Single-Haushalte oder Paare. Wir werden auch Menschen mit Handicaps integrieren. Im Mittelpunkt des Projekts steht das Thema Gemeinschaft. In Kooperation mit der Stadt Niddatal arbeiten wir an einem Konzept, das den einladenden Park auch für die Anwohnerinnen und Anwohner sowie für die Öffentlichkeit nutzbar macht,“ sagt Joerg Weber, Regionalleiter der Genossenschaft.
Im ersten Schritt entsteht mitten im historischen Ensemble von Ilbenstadt ein Neubau aus Holz, der sich in den historischen Gebäudebestand einfügt. Das Pächterhaus, das größte Gebäude im Ensemble, dient in dieser Bauphase als Baubüro und Informationscenter. Später wird es hier auch einen Stadtteiltreff und kleinen Regionalladen geben.
Auf dem Nachbargrundstück wäre Platz, um kleinteiliges Handwerk, Manufakturen sowie Ateliers anzusiedeln. Diese könnten dann von den zukünftigen Bewohnerinnen und Bewohnern (mit und ohne Handicap) als Arbeitsstätte genutzt werden. Es wird Gemeinschafträume geben bis hin zu Übernachtungsmöglichkeiten für Gäste der Bewohner*innen und gemeinsame Arbeitsräume, sogenannte Co-Working-Spaces.
„Ohne Flächenverbrauch Wohn- und Arbeitsflächen zu schaffen und damit zentrale Funktionen in den Ortsmittelpunkt zurückzubringen, das ist zukunftsweisend,“ bekräftigt Colletti. „Vorbildlich ist auch die Integration von Wohngemeinschaften und Wohnungen, auch für Menschen mit Einschränkungen.“
Joerg Weber ergänzt: „Dazu schaffen wir bereits in der Planungsphase die nötigen Voraussetzungen: Die Räume sind im gesamten Neubau barrierefrei und pflegegerecht ausgestattet. Zudem können unsere Bewohner*innen selbst entscheiden, in welcher Wohnform und mit welchen Mitbewohner*innen sie leben wollen und wer sie betreut.“
Auf die Frage, wie sich der Denkmalschutz auf das Vorhaben auswirke sagt Weber: „Es gibt von Beginn an intensive Gespräche und manchmal auch kleine Einschränkungen für die Planung. Unterm Strich profitieren aber beide Seiten, wir von der Förderung und der Denkmalschutz und vor allem Ilbenstadt davon, dass hier endlich etwas passiert.“
2020 hat das Vorhaben den Hessischen Staatspreis für universelles Design erhalten. Darüber hinaus wird es von der Deutschen Stiftung Denkmalschutz gefördert. Dies zeigt, wie gut das Vorhaben geplant und umgesetzt wird.
Michaela Colletti betont, dass sie sich in den entsprechenden Ausschüssen des Bundestages dafür einsetzen werde, die Förderung solcher Projekte mit multifunktionaler Nutzung zu erhöhen. „Wir müssen den Gemeinden gut ausgestattete zentrale Orte zurückgeben. Das ist ein wichtiger Baustein für gleichwertige Lebensverhältnisse ländlicher Gemeinden,“ unterstreicht Colletti im Vergleich mit urbanen Angeboten.
Infokasten
https://www.oekogeno-swh.de/das-projekt/
In Deutschland gibt es derzeit rund 8.000 eingetragene Genossenschaften. Davon sind rund 10 Prozent der Genossenschaften im gleichen Umfeld tätig wie die OEKOGENO eG.
Genossenschaften werden durch den Kooperations- und Selbsthilfegedanken ihrer Mitglieder getragen. Sie sind eine solidarische und demokratische Wirtschaftsform und verfolgen die Grundsätze der Selbsthilfe, Selbstverwaltung und Selbstverantwortung. So wird Bürger*innenbeteiligung auf allen Ebenen ermöglicht.
Die Wertschöpfung bleibt mit diesem Projekt in der Region. Menschen schließen sich vor Ort zusammen und wirtschaften zum gemeinsamen Nutzen. Die Besonderheit der Genossenschaft gegenüber Kapitalgesellschaften liegt darin, dass sie die erwirtschafteten Leistungen an ihre Mitglieder weitergibt.
[Foto (von Markus Nikleniewicz): Michaela Colletti und Joerg Weber auf dem Klosterareal]